Test des Denon AVR-X1100W 7.2 Verstärkers - Vergleich mit Pioneer VSX 920

  • Ich habe mir beim Amazon-Cyber-Monday den Denon AVR-X1100W für 299,- ergattert.

    Einbau war sehr einfach, da Denon eine vorbildliche Anordnung der Anschlüsse verwendet.
    Die Anzahl der Anschlüsse mag mit 7 HDMI nach viel klingen, aber einer davon ist vorn und 2 sind nur für 4K gedacht.
    Für meine Endgeräte reichte es aber.

    Das erste Gerät ist eine Coolstream Zee (Sat-Receiver). Und direkt keinen Ton herausbekommen.
    Da scheine ich laut Einträgen in anderen Foren auch nicht der einzige zu sein. Der Denon fragt immer automatisch den Ton via HDMI ab und scheint bei einigen Endgeräten ins stottern zu kommen.
    Es ist eindeutig ein Handshakeproblem, da der Ton läuft, wenn der TV aus ist. Macht dann nur keinen Sinn mehr.
    Meine Lösung war dann ein weiteres optisches Kabel zu legen. Dann den HDMI zu Opt1 zuweisen und zusätzlich den Kanal fix auf Digital zu stellen.
    Läuft.

    Der HTPC lief direkt inkl. Ton über HDMI. Schaltet man den TV zwischenzeitlich aus, verschwindet der Ton für 5 Sekunden und kommt dann wieder.
    Um das zu umgehen, bleibt auch nur ein weiteres Kabel zu stecken und damit den zweiten und somit letzten optischen Eingang zu belegen.

    Mein Squeezebox-Classic habe ich dann analog via Cinch angeschlossen. Ist tonal kein Unterschied.

    Der Anschluss war in 20 Minuten erledigt. Vorteilhaft hat sich hier auch die geringere Bautiefe erwiesen. Im Schrank zählt jeder Zentimeter.

    Ersteinrichtung
    Einrichtung komplett mit Assistent, der einem auch direkt durch das Einmessverfahren und Zuweisung der Anschlüsse navigiert.
    Da gehen dann schon mal gute 30 Minuten für drauf. Einmessen je Messpunkt rund 3 Minuten. 8 Punkte werden abgefragt.
    Dabei dachte ich mir schon, dass das ja irgendwie etwas mager war. Es wird ein "Geräusch" von den jeweiligen Boxen abgegeben und daraus soll dann alles errechnet werden?
    Zweifel kommen auf, da es beim Pioneer doch wesentlich aufwendiger wirkte. Und das bei nur einem Messpunkt.

    Musik
    Als das erledigt war habe ich direkt Musik getestet. Bei mir ist ein Teufel Theater 4 Hybrid 6.2 Lautsprechersystem aufgebaut.
    Ein paar User hier im Forum haben es bei mir ja schon probegehört: der Bass ist einfach zu stark/präsent.
    Der Denon macht aber alles irgendwie anders. Ich habe auf einmal kein "Bassproblem" mehr. Es klingt in Stereo sogar etwas mager im Bassbereich.
    Dann direkt den Stereo Surround Mode getestet. Mehr Bass - aber alles im allem kein Vergleich zum Pioneer Pendant "Expanded Stereo".
    Nach ein wenig Feintuning des Subwoofers über den Denon bekam ich ein sehr gutes Stereobild. Da muss sich dann wieder der Pioneer geschlagen geben.
    Schwierig zu sagen, was da "besser" ist. Stereo hat hier noch nie so gut geklungen wie mit dem Denon. Musik in Surround ist jetzt nur noch "gut-".
    Aber das war ja irgendwie auch zu erwarten.
    Der Pioneer misst an nur einem Punkt ein. Und der ist dann so dermaßen präzise, dass man einen Sweetpoint von vielleicht 10cm hat. Sogar im Bassbereich.
    Der Denon misst an 8 Positionen ein und wird daraus ja einen Mittelwert bilden. Damit klingt es überall "gut", aber nirgends "perfekt".
    Denon macht zumindest beim Audyssey MultEQ-XT im Bassbereich keinen besonders guten Eindruck. Die richtig tiefen Frequenzen werden glattgebügelt.
    Ich habe ein paar Testsongs, wie zum Beispiel "Boom Boom Pow" von den Black Eyed Peas, "Single" von Korn und "Kopf verloren" von Peter Fox oder "Madness" von Muse um Bass zu testen.
    Alle gehen sehr weit runter bis unter 40Hz. Und tja - die fehlen eben. Da ist der Pioneer großzügiger. Der ist dann aber so dermaßen übermotiviert, dass einem kurz die Luft wegbleibt.
    Wobei ich auch den Eindruck habe, dass der Pioneer die tiefen Frequenzen einfach stärker betont. Denn das Wackeln der Gläser im Schrank ist auch beim Denon vorhanden.
    Der Pioneer kickt einem eher die Luft aus der Lunge während der Denon die Möbel bewegt.

    "Klare" Songs waren dann Sultans of Swing, etwas Kraftwerk, Michael Bublé und Adele.
    Die klingen in Stereo wirklich verdammt gut. So habe ich die hier noch nicht gehört. Wie weich doch auf einmal die Teufel klingen können. Sehr interessantes Ergebnis.
    Da würde ich sagen, dass der Pioneer eher zum übersteuern neigt. Die scharfen Höhen fehlen beim Denon. Ist Geschmackssache, ob man den extra-Kick an Höhen haben will, oder lieber ein homogenes Bild.
    Surround, wie gesagt ... da kommt der Denon nicht an den Pioneer ran. Das sind zwei Welten. Der Pioneer trennt extrem sauber Instrumente und bringt die auf einzelne Lautsprecher.
    Ein richtiges Spektakel, dass beim Denon komplett fehlt. Da ist es gefühlt nur einfaches Stereo vorn/hinten.

    Film
    ... kommt noch, da ich erst heute Abend zum ausgiebigen Testen komme.

    Technik
    Technisch hat der Pioneer einfach mehr Möglichkeiten um am Ton herumzubiegen. Aber ob das nun alles nötig ist, und vielleicht weniger mal wieder mehr ist, sei dahingestellt.
    Ich habe am Denon zumindest nicht viel vermisst, was ich am Pioneer zu schätzen gelernt habe.
    Ein kleiner Nachteil für mich ist, dass ich Eingänge nur 1x zuweisen kann. Ich würde mir gerne wieder wie zuvor einen Eingang für Musik und einen für Film festlegen.
    Das geht beim Denon nicht. Aber notwendig ist es auch nicht wirklich.
    Midnight-Mode gibt es nicht - dafür aber Cinema-EQ. Der Filter paßt die Frequenzen dynamisch in ihrer Lautheit an. Ist ein wirklich krasser Effekt, wenn man sich ein und die selbe Szene in Actionfilmen anhört.
    Diese Funktion kann man wie alles beim Denon in drei Stufen regeln.
    Letzten Endes ist es nur ein dynamik-Kompressor, der nicht die Frequenzen niedersenkt sondern die leiseren anhebt. So kommt Bass auch bei geringer Lautstärke und Dialoge im Center sind deutlicher rauszuhören.
    Insgesamt war im Film-Surroundmodus bei den Testszenen ein größeres Klangfeld vorhanden. Wenn ich zuvor mit dem Pioneer zB Grillen in der Umgebung irgendwie unbewusst wahrgenommen habe, dann verdoppelt der Denon die Anzahl der Grillen.
    Ein Effekt. Mehr nicht. Vielleicht will das auch nicht jeder, denn letztendlich verändert man die eigentliche Soundkulisse.
    Der Denon erkennt über das Signal, welchen Ton er verwenden soll. Stereo PCM Signal verwenden dann immer den zuletzt eingestellten Effekt. AC3 dann immer Surround und DTS eben DTS+Effekt.
    Da muss der Pioneer passen. Der nimmt was er kriegt und reagiert da nicht weiter. Ist es ein DTS Signal, dann wird jede Weiterverarbeitung blockiert. Das kommt so raus wie es reinkommt.
    Auch da ist die Frage nach besser oder schlechter nicht zu beantworten.

    Der Denon ist allgemein schneller beim Umschalten und Erkennen von Frequenzen am HDMI-Eingang. Wenn der HTPC auf 24Hz umschaltet, ist der Denon sofort da. Der Pioneer schaltet intern eine Sekunde.
    Denon hat durchgehend ein OSD. Auch bei der Lautstärkeregelung. Das fehlt am Pioneer. Dort ist entweder das Menu des Verstärkers, oder das HDMI-Bild zu sehen.

    App:
    Ich habe zuvor beim Pioneer-Bericht ja schon über deren App gemeckert.
    Ich nehme alles zurück. Denon ist da weit aus schlimmer. Im Grunde ist da keine vernünftige Bedienung mit möglich.
    Die alternativen Apps sind da weit besser. Leider konnte ich kein Widget finden, um zumindest Laut/Leise vom Smartgerät-Desktop direkt zu regeln.
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    Fazit für heute:
    Ich bin noch nicht überzeugt, ob ich dafür meinen Pioneer hergebe. Ich wollte das Bassproblem in den Griff bekommen und weniger auf einen Punkt im Raum festgenagelt sein.
    Das wird auch vom Denon ganz klar erledigt. Aber auf der anderen Seite fehlt jetzt doch ein ordentliches Stück "Aha-Effekt" bei der Musik im Surroundmodus.
    Sehr erfreulich ist, dass ich nun für TV einen anderen Basspegel festlegen kann als für den HTPC.
    Nur würde ich diese Flexibilität gerne für Musik und Video am HTPC nutzen. Das geht aber wegen der Anschlusszuweisung nicht.

    Hier noch ein guter Bericht zum Einmessverfahren:
    http://www.digitalfernsehen.de/Audyssey-MultE…k.108762.0.html

  • Gestern und Heute Vormittag habe ich dann Filme und Serien in diversen Tonformaten getestet.

    Eine Folge "Castle" in AC3 2.0, "Polarexpress" für den Tiefbass und "Edge of Tomorrow" für DTS Surround.
    Bei der Aufmischung von 2.0 auf DTS Neo:6 geht der Denon etwas weiter als der Pioneer. Es werden wesentlich mehr Effekte in den Surroundbereich geschoben und der Center stärker betont.
    Generell richtig gut gemacht, aber auf die Dauer doch recht anstrengend. Der Focus geht dann auch bei Dialogen weg vom Center, da die Effekte sehr präsent sind.
    Man versteht zwar alles deutlich, aber irgendwie stört mich die Umgebungsakkustik. Geschmackssache.

    "Polarexpress" ist ein alter Animationsfilm, der eine sehr basslastige Sequenz hat.
    Als der Zug beim kleinen Jungen vorfährt, fangen langsam kleinere Objekte an zu vibrieren. Eine Radkappe an einer Heizung.
    Das Wummern wird intensiver und man spürt den Zug förmlich vorfahren. Die Bassfrequenzen gehen sehr weit runter und sind sehr vielschichtig.
    Das packt der Denon alles ganz gut. Im untersten Bereich vielleicht ein klein wenig weniger als beim Pioneer. Aber das ist vernachlässigbar.

    Bei "Edge of Tomorrow" verwende ich immer die Scene, als Tom Cruise das erste mal auf die Kriegerin im Trainingshangar trifft.
    Die rotierenden Roboterklingen huschen quer durchs Wohnzimmer.
    Der Sound ist dort nicht übertrieben laut, sondern schön fein gegliedert.
    Damit kann man die verschiedenen Modi des Denon sehr gut testen. Und da zeigt sich auch, dass es was bringt.
    Hat man den Amp recht leise eingestellt, kommt ein wirklich großes Plus an Dynamik mit rein. Je lauter man den Amp dreht, um so weniger fällt das ins Gewicht.
    Dabei ist mir dann auch aufgefallen, dass diese Verbesserung sehr stark am Ton schraubt. Und das macht sich dann in der gefühlten Lautstärke bemerkbar.

    ----------------
    Zweieinhalb Tage intensivtesten später geht der Denon wieder zurück.
    Ich würde den jedem empfehlen, der auf ein homogenes, rundes Gesamtbild aus ist, ohne lange herumbasteln zu müssen.
    Für Wohnungen mit Nachbarn auch eine klare Sache, da die Soundverbesserer leise Töne gefühlt lauter abspielen.
    Ich habe es umgekehrt gegengetestet. Mein Schlafzimmer ist über dem Wohnzimmer. Man hört dort wesentlich weniger gebrumme als mit dem Pioneer.
    Und das bei gleich laut empfundener Lautstärke im Wohnzimmer.
    Das ist für den Zweck wesentlich besser als der klassische Midnight-Modus, wie er auch im Pioneer verwendet wird.
    Wer Musik ohnehin nur in Stereo hört, der ist beim Denon auch besser aufgehoben. Anschliessen, einmessen, läuft.

    Wer aber ein wenig mehr will und Spass am Einstellen und Testen hat, der ist beim Denon falsch.
    Man kann nach der automatischen Einmessung nicht mehr viel verändern.

    Für mich hat sich nun einiges geklärt.
    Wenn mir noch mal einer erzählen will, dass ein anderer Verstärker kaum Einfluss auf den Ton hat, der hat es einfach noch nicht selber getestet.
    Es sind zwei völlig verschiedene Klangerlebnisse bei Denon und Pioneer.
    Das zweite ist, dass meine Lautsprecher ja doch sehr rund klingen können, was ich vorher nicht vermutet hätte.
    Und das dritte ... ich will mehr.
    Daher werde ich mir nun einen neuen Pioneer bestellen. Tendenz zum 924, da man dort im Tiefbassbereich einen Equalizer hat.

  • Schade, dass du nicht zufrieden bist mit dfen Denon...aber da merkt man auch wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind...
    Ich habe letztens einen Pioneer gehört und fand ihn im Vergleich zu meinem Denon irgendwie "übermotiviert" bei Surround...

    Bei dir ist mir das nie aufgefallen. Kann sein, dass mich immer der Bass erschlagen hat ;)

    Wenn du jetzt auf einen neuen Pioneer spekulierst, meinst du macht es nicht etwas mehr Sinn, dann direkt einen mit HDMI 2.0 zu nehmen um auf in Zukunft gerüstet zu sein...
    So ein AVR kauft man ja nicht jedes halbe Jahr ;)

    Ich habe mal geschaut, der Pioneer SC-1224-K hört sich eigentlich ganz interessant an...bei Amazon auch im Angebot aktuell da 180€ günstiger

    [edit]Mit ist aufgefallen, dass es eine neue Serie gibt mit der Bezeichnugn -K, somit ist der 924-K auch mit HDMI 2.0...somit ist oben eher als "mehr" anstatt besser zu betrachten ;)[/edit]

  • Wobei auch das HDMI 2 wohl schon nicht mehr aktuell sein soll. Daher kommen angeblich die starken Preisreduzierungen in diesem Bereich.

    "Übermotiviert" trifft es beim Pioneer ganz gut. :D
    Wir haben den neuen "Plante der Affen" in der einen Hälfte mit dem Denon geschaut und in der anderen Hälfte mit dem Pio.
    Ist Geschmackssache, was da einem besser gefällt.

    Ich muss auch sagen, dass ich im umgekehrten Fall wahrscheinlich genauso entschieden hätte.
    Wenn ich erst einen Denon besitzt hätte und mir dann einen Pioneer zum Vergleich geholt hätte, dann wäre der Pioneer wieder zurückgegangen.
    Weil der Denon zu Anfang einfach runder/weicher klingt. Aber jetzt weiß ich ja, dass das mit den Lautsprechern möglich ist ... und will das nun mit einem Pioneer hinbekommen.
    Manche Dinge kann man einfach nur als Nerd verstehen ;)

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